Sucht und Komorbidität: Ein komplexes Zusammenspiel

In der Fachsprache wird eine Begleiterkrankung – oder auch mehrere  "Komorbidität" genannt. Sie bezeichnet das Auftreten von mehr als einer Erkrankung bei einer Person. Eine erfolgreiche Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen ist nur möglich, wenn nicht nur die Sucht selbst, sondern auch begleitende psychische und körperliche Erkrankungen erkannt und therapiert werden.

Viele Betroffene leiden zusätzlich zur Abhängigkeitserkrankung auch unter Depressionen, Angststörungen oder ADHS; aber auch Traumafolgestörungen, chronische Schmerzen oder nicht-stoffgebundene Süchte wie Spielsucht sind häufig. Besonders bei Alkoholabhängigkeit treten zudem zahlreiche körperliche Folgeerkrankungen auf. Ein weiteres Problem ist die Mehrfachabhängigkeit, bei der mehrere Substanzen konsumiert werden und es während des Entzugs zu einer Suchtverlagerung kommen kann. Die umfassende, ganzheitliche Behandlung in der Forel Klinik berücksichtigt all diese Faktoren.

Anmeldung bei der Invalidenversicherung

Die Aufgabe der Invalidenversicherung besteht darin, Menschen mit gesundheitlichen Problemen den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu ermöglichen. Im Hinblick darauf ist eine sorgfältige Diagnosestellung aller vorliegenden Erkrankungen sehr wichtig. Die Invalidenversicherung ist beim Vorliegen von Substanzabhängigkeiten ohne weitere Erkrankungen manchmal zurückhaltend und verlangt eine suchtspezifische Therapie, damit sie Unterstützung gewährt.



Depression ist die häufigste psychische Krankheit überhaupt. Sie zu erkennen ist eigentlich einfach, manchmal ist eine Depression aber hinter einer Suchterkrankungen verborgen. Zu den Symptome der Depression gehören:

  • gedrückte Stimmung
  • Interessensverlust, Freudlosigkeit
  • ​Verminderung des Antriebs, erhöhte Ermüdbarkeit
  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Schuldgefühle und Gefühle von Wertlosigkeit
  • Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
  • Schlafstörungen
  • Verminderter Appetit und Gewichtsverlust
  • Reizbarkeit, sozialer Rückzug
  • Überkonsum psychotroper Substanzen
  • Suizidgedanken, erfolgte Selbstverletzung oder Suizidhandlungen

Das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom beginnt in der Regel in der Kindheit und Jugend, bleibt aber mit veränderten Symptomen darüber hinaus im Erwachsenenalter bestehen. Die Symptome sind meist rasch feststellbar und fallen auf, haben aber je nach Beruf und Lebenssituation mehr oder weniger störenden Charakter. ADH / ADHS ist auch im eigentlichen Sinn keine Krankheit, sondern ein Wahrnehmungs- und Verhaltensstil, der erst in einem anforderungsreichen Umfeld als störend auffällt. Menschen mit ADH / ADHS sind meist sehr spontan, rasch im Denken, kreativ, lebendig, sie fallen aber auch auf wegen innerer Unruhe, heftigen Gefühlsausbrüchen, Impulsivität, mangelnder Konzentration oder Ungeduld. Manchmal sind sie auch verträumt, unzuverlässig, vergesslich, schnell abgelenkt. Aufgrund dieser Erlebens- und Verhaltensweisen ecken Menschen mit ADH / ADHS oft an und haben häufig ein reduziertes Selbstwertgefühl. Sie sind beruflich nicht so erfolgreich, wie sie eigentlich sein könnten oder müssen sich für dieselben Leistungen in Schule und Beruf ungleich mehr anstrengen als andere und sind deswegen oft umso erschöpfter oder auch auf der Suche nach Entspannung und Ruhe. Nicht überraschend sind ADH und ADHS also Risikofaktoren für die Entwicklung einer Substanzabhängigkeit, da verschiedene Substanzen die subjektiven und auch die objektiven Symptome mildern. ADH und ADHS können heute gut behandelt werden, was oft auch die Substanzabhängigkeit deutlich verbessert oder gar zum Verschwinden bringt.

Manche Menschen leiden an den Folgen von Bedrohungen, körperlichen und / oder emotionalen Misshandlungen und Vernachlässigungen, die sie im Laufe ihres Lebens erlitten haben. Wenn das Ausmass und der Schweregrad negativer Erlebnisse die individuellen Verarbeitungsmöglichkeiten übersteigen, können sich Krankheitssymptome entwickeln wie Wiedererleben (flashbacks), Alpträume, anhaltende Übererregung, Schreckhaftigkeit, Schlaflosigkeit, Vermeidung, Scham und Rückzug. Wenn die traumatischen Erlebnisse sehr früh und lange im Leben eingewirkt haben, kann die ganze Persönlichkeitsentwicklung beeinflusst werden. Es können chronische Gefühle von Wertlosigkeit, Angst, Selbstunsicherheit, Misstrauen, Menschenscheu oder auch Neigung zu riskantem Verhalten, Selbstschädigung und Beziehungsschwierigkeiten auftreten. Das Spektrum der Symptome, die als Folgen von Traumatisierungen auftreten können, ist sehr breit. Substanzabhängigkeit gehört zu den häufigsten Folgen von Traumata, da Substanzen kurzfristig helfen können, sich zu beruhigen, negative Gedanken zu unterdrücken, Schlaf zu finden oder auch Kontakt zu anderen Menschen herzustellen.

Angststörungen sind ebenfalls generell sehr häufig und können am Ursprung einer Substanzabhängigkeit stehen. Betroffene nehmen zuerst vor allem körperliche Symptome wie Zittern, Herzrasen, Schwindel, Magen-/Darm-Beschwerden oder eine verminderte Belastbarkeit wahr und glauben, sie seien körperlich krank. Unter Umständen erkennen sie die Symptome nicht als Angstsymptome und bekämpfen diese stattdessen mit Hilfe von Suchtmitteln. Zunächst funktioniert das auch, aber dann treten die Folgen der Substanzabhängigkeit in den Vordergrund und die Angst dahinter verschwindet nicht.
Angststörungen können in Form von Panikattacken auftreten, ganz unspezifisch als sehr heftige Sorgen über alles mögliche (generalisierte Angststörung) oder auch als Angst in bestimmten Situationen (z.B. in belebten Räumen als Agora- oder in Bewertungssituationen als soziale Phobie). Die Ursachen von Angststörungen sind vielfältig, in der Regel steht ihr Auftreten aber im Zusammenahng mit Lebenskrisen, Lebensübergängen, Stress und Konflikten. Auch biologische Vorbedingungen, lebensgeschichtliche Belastungen oder Traumata können einer Angstsymptomatik zu Grunde liegen.