Einbezug von Angehörigen in der Forel Klinik
Die Familie, Angehörige und Freunde sind der Raum, in dem sich die Sucht abspielt. Das Umfeld eines betroffenen Menschen fühlt sich oft ohnmächtig, während es dem Fortschreiten dieser hartnäckigen Krankheit bei einem geliebten Menschen zusehen muss. Dabei können Angehörige sehr oft einen wichtigen Beitrag zur Genesung leisten, ohne dabei das Problem zu ihrem eigenen zu machen oder die Verantwortung übernehmen zu müssen.
Um diesen gemeinsamen Umgang in die richtige Bahn zu lenken, befürworten wir es stets, Angehörige und auch Kinder während der Behandlung einzubeziehen. Wir ermuntern unsere Patienten und Patientinnen, ihre Angehörigen zu einem gemeinsamen Gespräch einzuladen. In der Praxis machen wir aber oft die Erfahrung, dass die Patienten das nicht möchten, sei es aus Scham oder wegen ungelöster Konflikte. In diesem Fall ist der Wunsch des Patienten massgebend. Gerne geben wir Angehörigen hier einen ersten Überblick über ihre eigenen Chancen und Risiken.
Anlaufstellen für Angehörige
Es gibt diverse Organisationen, die Angehörigen von Menschen mit Abhängigkeits- oder psychischen Erkrankungen wichtige Unterstützung und Hilfe zur Selbsthilfe anbieten und der Autsausch mit anderen Betroffenen ermöglicht wird:adaz-zh (Sucht)
al-anan (Alkohol)
Stand-by-you (psychische Erkrankungen)
Einen Partner, eine Partnerin oder einen nahestehenden Menschen mit einem Alkoholproblem zu haben, stellt eine grosse Belastung dar. Die Folgen dieser Erkrankung können das gesamte Leben beeinflussen, darunter:
- Beeinträchtigte Beziehungen zu Mitmenschen
- Abnahme des Verantwortungsgefühls
- Trennung oder Scheidung
- Abbruch der Beziehung zur Familie und zu den eigenen Kindern
- Vermehrte Unfälle und Führerscheinentzug
- Verlust von Arbeitsplatz und Wohnung
- Finanzielle Probleme und gesellschaftlicher Abstieg
Verständnis für die Erkrankung entwickeln
Der erste Schritt im Umgang mit einem abhängigen Angehörigen ist, sich über die Krankheit zu informieren. Eine Abhängigkeitserkrankung ist keine Frage des schwachen Willens, sondern eine ernstzunehmende Krankheit. Die Aufforderung, den Konsum einfach zu stoppen, ist genauso wenig zielführend wie der Versuch, einem Depressiven zu sagen, er solle „endlich fröhlich sein“. Abhängige verstricken sich und ihre Umgebung oft in Täuschungen und Enttäuschungen, bis sie selbst bereit sind, Hilfe anzunehmen.
Und auch dann ändert sich meist nicht alles so schnell wie erhofft, denn Rückfälle in frühere Verhaltensmuster gehören häufig zum Heilungsprozess dazu. Für die Betroffenen und Angehörigen ist das oft enttäuschend. Doch Rückschläge in der Behandlung helfen dabei, Ursachen und Bewältigungsmöglichkeiten der Problematik besser zu verstehen. Daher ist ein offener, möglichst transparenter und vor allem nicht verurteilender Umgang mit allfälligen Konsumereignissen wichtig. Werden sie verheimlicht, wächst die Sucht im Verborgenen weiter.
Eigene Muster erkennen und vermeiden
Angehörige entwickeln häufig ein Verhalten, das unabsichtlich die Sucht aufrechterhält, auch wenn sie eigentlich helfen wollen. Beispiele dafür sind:
- Verantwortung für den Betroffenen übernehmen
- Belastungen abnehmen
- Sein Verhalten entschuldigen oder rechtfertigen
- Kontrollieren oder Vorwürfe machen
Kurzfristig kann dieses Verhalten zwar Druck reduzieren oder negative Folgen der Abhängigkeitserkrankung abwenden. Langfristig führt es aber zur eigenen psychischen Belastung, z. B. durch Depressionen, Schuld- und Schamgefühle oder sozialen Rückzug und trägt darüber hinaus natürlich zur Aufrechterhaltung der Störung bei.
Hinweis: Bitte beachten Sie, dass Angehörige keine Anmeldungen zum Abklärungsgespräch machen können.
Hilfe und Unterstützung suchen
Sorgen Sie nicht nur für den Betroffenen, sondern auch für sich selbst. Nur der von der Abhängigkeitserkrankung Betroffene selbst kann die notwendigen Schritte zur Überwindung der Krankheit unternehmen. Auch wenn der Betroffene selbst keine Hilfe annehmen will, ist es für Angehörige oftmals hilfreich, Unterstützung für sich selbst suchen. Beratungsstellen in Ihrer Gemeinde oder spezialisierte Anlaufstellen können wertvolle Hilfe leisten. Letztere haben wir Ihnen weiter oben in der Box verlinkt.
Behandlung von Paaren
Manchmal kommt es auch vor, dass in einer Paarbeziehung beide von einer Abhängigkeitserkrankung betroffen sind. Dies kann spezifische Fragestellungen aufwerfen, die in einer Behandlung berücksichtigt werden müssen. Betroffene Paare können sich in der Forel Klinik gleichzeitig, aber nicht gemeinsam behandeln lassen.